…aber dann wurde alles anders (6. September Casa Fernanda – Ponte de Lima Pt. 2)

Nach dem Gewaltmarsch – so lange war dieser übrigens gar nicht – wollten wir nur noch ins Wasser. Am Fluss angekommen wollten wir uns deshalb so schnell wie möglich ins kühle Nass stürzen. Allerdings waren an der Stelle, die wir uns dafür ausgesucht haben, zahlreiche Menschen. Wir beschlossen, abwechselnd ins Wasser zu gehen.



Mone wollte sich als erste abkühlen und zog sich um. Wir hatten unsere Rucksäcke auf den Boden gelegt und es uns auf den Packsäcken so gut es ging gemütlich gemacht, als die drei Herren, die wir schon auf dem Weg nach Ponte de Lima immer wieder getroffen hatten, auf uns zusteuerten und fragten, ob sie sich dazugesellen könnten.

Als sich die Drei gerade gesetzt hatten, bemerkten wir, dass um uns herum etwas passiert. Irgendwie war eine Unruhe zu spüren und es hatten sich inzwischen auch immer mehr Menschen an der Stelle versammelt, die wir uns ausgesucht hatten, um zu entspannen. Und dann kam auch schon der erste Polizeiwagen angefahren. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war uns klar: irgendetwas stimmt hier nicht. Später kamen noch mehrere Feuerwehrwagen, die unter anderem ein Boot brachten. Schnell wurde uns bewusst, dass jemand im Wasser gesucht wird.

Zu diesem Zeitpunkt hatten sich bereits unzählige Leute im Wasser versammelt und beobachteten einfach nur geschockt die Szene, andere standen am Ufer und mutmaßten laut, was wohl passiert sein könnte. Auch unter uns machte sich eine merkwürdige Stimmung breit. Die Situation war bedrückend, selbst für uns, die wir nichts verstanden. Den Höhepunkt erreichte dieses seltsame Gefühl, als plötzlich eine Frau über die Wiese an uns vorbeilief. Sie war aufgelöst, weinte und schrie etwas auf Portugiesisch. Es war ganz offensichtlich die Mutter des oder der Verschwundenen.Watch movie online The Lego Batman Movie (2017)

Hinter uns hatte sich eine Gruppe von Dorfbewohnerinnen versammelt. Sie schnatterten, wir verstanden nichts. Antonio, einer der drei Männer, die sich zu uns gesetzt hatten, ist gebürtiger Portugiese und verstand, was die Damen plapperten. Er erzählte uns, dass die Frauen darüber sprachen, dass der achtjährige Sohn der Frau, die gerade so aufgelöst an uns mobdro vorbeigelaufen kam, plötzlich im Wasser verschwunden war. Die Suchaktion zielte also auf den Achtjährigen ab.

Ich weiß nicht mehr, wie lange es gedauert hat, bis sie das Kind gefunden hatten. Sie konnten den Jungen nur noch tot aus dem Wasser bergen. Die Situation war schrecklich. Unzählige Menschen hatten Tränen in den Augen, als sie den Schauplatz des Unglücks wieder verließen. Die Mutter des toten Jungen musste von Polizisten und Sanitätern gestützt werden. Sie war dem Zusammenbruch nahe und ihre Verzweiflung war unendlich.

Auch unter uns Pilgern war die Stimmung bedrückt. Keiner konnte mehr sprechen, niemand wollte etwas dazu sagen. Irgendwie wurde einem in diesem Moment klar, dass dieses Abenteuer viel mehr für uns im Gepäck hatte als nur Spaß und ausgelassene Stimmung. Wir konnten und wollten deshalb nicht mehr länger sitzen bleiben. Die Situation war irgendwann nicht mehr auszuhalten und da es ohnehin schon gleich 17 Uhr war und wir in die Herberge durften, beschlossen wir zu gehen.

Der Rest des Tages gestaltete sich schwierig. Mone und ich bekamen ein Bett in der Herberge, wir waren mit Leuten zusammen, die wir gut leiden konnten und hatten sogar überraschend Jim wieder getroffen. Trotzdem drückte das Erlebnis vom Nachmittag auf die Stimmung. Wir beschlossen also, uns so schnell wie möglich fertig zu machen, raus ins Getümmel zu gehen um etwas zu essen Mobdro APK zu besorgen und uns in den Herbergsgarten zu setzen.

Wir mussten die Brücke wieder überqueren um einkaufen zu gehen. Dort war allerdings die Fiesta in vollem Gange und wir waren mit der Situation völlig überfordert. Zuerst versuchten wir einen Supermarkt zu finden, was gar nicht so einfach war. Erst nach einem Irrlauf durch die engen Gassen und Nachfragens bei einer Mitarbeiterin in einem Büroartikelladen – die natürlich kein Wort verstand – fanden wir so etwas wie einen Einkaufsladen. Wir wollten eigentlich schön kochen aber so richtig wollte das Sortiment nicht mitspielen. Also kauften wir das, was wir schon die ganze Zeit in Portugal gegessen haben: Käse, Oliven und Brot. Dann sahen wir zu, dass wir so schnell wie möglich in die vermeintlich ruhige Herberge kamen, wo wir erstmal von einem ziemlich aufgedrehten Jim erwartet wurden. Er beschloß, mit uns zu essen und schon bei den Vorbereitungen dafür brach Chaos aus. Ich weiß nicht genau, wie es passiert ist, aber am Ende landete eine volle Flasche Weißwein auf dem Boden, zerbrach in tausend Teile und roch erbärmlich.

Wir beseitigten das Chaos mehr schlecht als recht und setzten uns an den Steintisch im Garten der Herberge. Nach dem Essen blieben wir noch dort, tranken Wein und es gesellten sich nach und nach mehr Leute dazu: Es sollten die Leute werden, die uns – mal mehr, mal weniger – bis zum Schluss begleiteten.

Nachdem wir einige Gläser Wein getrunken hatten, wurde die Stimmung etwas besser. Wir saßen also noch bis etwa Mitternacht im Garten der Herberge. Das muss auch der Zeitpunkt gewesen sein, an dem die Fiesta in der Stadt richtig in Gang kam. Um etwa 0 Uhr nämlich startete eine riesen Party – direkt neben unserer Herberge. Als wir ins Bett gingen wurde uns erst das volle Ausmaß dessen bewusst. Die Disco-Bühne muss nämlich direkt neben der Herberge aufgebaut gewesen sein. Man kam sich im Schlafsaal vor, als würde man vor den großen Boxen pennen. Und so gestaltete sich dann auch die Nacht – an Schlaf war nicht zu denken.

1 Comment

  1. Rainer says: Antworten

    Ja, was einem so alles passieren kann. Mit sowas rechnet man ja nicht, daß das die Stimmung drückt kann ich gut verstehen. Und dann noch die Disco im Schlafzimmer……..

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