Das Wettrennen um das letzte Bett und der Beerenwein (11. September, Pontevedra nach Caldas des Reis)

Der zweite Tag in Galicien und schon lag das erste Mal Nieselregen in der Luft. Dabei war es aber so schwül, dass es uns schwer fiel, in die Gänge zu kommen. Der Weg führte uns auch relativ schnell aus der schönen Stadt Pontevedra und durch eine Baustelle.

Baustelle Pontevedra Camino PortuguesBaustelle in Pontevedra Camino Portugues
Bald trafen wir auf einen alten Bekannten. Mr. Schluffman, ein Brasilianer, der immer den Weg entlangtrottete, als würde er auf einer Butterfahrt von der Kneipe zum Bus laufen.

Mr Schluffman Camino Portugues

Erstaunlich war nur, dass er in seinem Schlufftempo immer schneller war als wir, da er einfach nie stehen blieb. Also dauerte es nicht lange, bis er nicht mehr zu sehen war.

Dafür tauchte wieder eine Bekannte vor uns auf. Christiane, die wir über den Berg in Portugal mitgenommen hatten, quälte sich gerade den Weg hoch und lief ein Stück mit uns. Es ging auf einem kleinen Schotterweg durch den Wald. Vor einem Bahnübergang fiel uns dann das erste Mal ein Schild auf:

Der Joos auf dem Camino Portugues

Der Joos, welcher Pilger kennt ihn nicht, war einfach überall. Und obwohl wir den Brierly verwendeten, lief er uns vor allem an diesem Tag immer wieder über den Weg.

Der Joos auf dem Camino Portugues

Nachdem wir in einer Bar Halt gemacht hatten, verabschiedete sich Christiane von uns. Sie hatte andere Bekannte getroffen und lief mit diesen weiter. Als wir aufbrechen wollten fing es an zu nieseln. Das erste Mal, dass wir nicht bei Sonnenschein liefen. So beschlossen wir, die Regenhüllen über die Rucksäcke zu stülpen, damit wir diese wenigstens einmal auspacken konnten. Mone hatte kleine Schwierigkeiten, das Ding aus dem kleinen Fach zu bekommen und ich eilte ihr zur Hilfe. Irgendwie hatte es sich verklemmt. Bald fanden wir die Ursache. Schuld war natürlich der Joos, der ohne Mones Wissen seit ihrer letzten Tour (die war im Jahr 2010!) in dem Fach steckte und den wir schon die ganze Zeit mitgetragen hatten. Nach kleinem Gefrickel fiel das gelbe Büchlein aus dem Regenhüllenfach. Der Joos war da.

Das missfiel anscheinend sogar einer Horde Hunden, die auf einmal wie wild anfing zu kläffen. Da musste ich kurzerhand zurückkläffen. Ja, man wird halt zusehends verrückt beim Wandern.

Regen auf dem Camino Portugues

Irgendwann mussten wir das Frage-Antwort-Spiel mit der Hundehorde aber hinter uns lassen. Wir liefen weiter, der Regen ließ auf sich warten und irgendwann kam sogar die Sonne wieder raus. Komisches unberechenbares Wetter in Galicien.

Kreuzung auf dem Weg nach Caldas des ReisImmer wieder trafen wir an diesem Tag alte Bekannte auf dem Weg. Zwischendurch begegneten uns aber auch immer wieder Tagespilger oder Tourigrinos, alle die Compostela (welche man nur bei mindestens 100 km kontinuierlichen Fußmarsch erhält) im Blick. Das Abgefahrenste an diesem Tag war aber die Tatsache, dass es überhaupt nicht mehr weit bis Santiago war. 40 Kilometer bis Santiago de CompostelaAls wir wieder einmal an unserer Lieblings-Schnellstraße – der N550 – rauskamen, stand da ein Schild, das uns sagte, dass die Stadt nur noch 40 Kilometer vor uns lag. Natürlich war die Strecke über den verschlungenen Jakobsweg etwas länger aber dennoch: wir waren fast da. Schade eigentlich.

Am frühen Nachmittag erreichten wir aber erstmal unser Tagesziel: Caldas des Reis. Mone wusste noch, dass es dort eine heiße Quelle gibt, in der sie schon vor zwei Jahren ihre geschundenen Wandererfüße entspannt hatte. Dieses Vergnügen hatten wir diesmal leider nicht. Es ist jetzt nämlich untersagt, seine Füße in die Quelle zu halten. Tja, wurde dann wahrscheinlich doch irgendwann zu eklig.

Heiße Quelle in Caldas des Reis Caldas des Reis Camino Portugues

Wir machten uns auf den Weg zur Herberge und trafen überall in der Stadt bekannte Gesichter. Alle waren sie da. Die Shakespeare-Profi-Touristen-Engländerinnen, die drei Deutschen und Sabrina. Schon auf dem Weg hatten wir aufgeschnappt, dass es in der Herberge kaum noch Platz gab.

Wir versuchten es trotzdem aber kaum hatten wir die Unterkunft betreten, wollten wir auch schon wieder raus. Der Raum war ultraklein und vollgestellt mit Betten. Die Tourigrinos hatten alles belegt. Kein Wunder, hatte doch deren Gepäcktaxi die schweren Reisetaschen bereits am späten Vormittag in der Herberge ausgeladen. Kurioser Anblick, so eine Dolce & Gabbana Lederreisetasche in einer Pilgerherberge.

Volle Herberge in Caldas des Reis

Natürlich waren all unsere Bekannten schon da und hatten teilweise auf dem Boden ihr Lager aufgeschlagen. Für uns war sofort klar: in dieser Herberge werden wir die Nacht nicht verbringen. Und was tun richtige Genusspilger dann?

Hotel Lotus in Caldas des Reis

Klar, sie checken im Hotel Lotus ein. Das kannte Mone auch schon vom letzten Mal und so genossen wir die Vorzüge einer Badewanne (in dieser kann man nämlich wirklich mal große Wäsche machen), eines Balkons und eines Bettes mit richtiger Bettwäsche. Direkt nach dem Einchecken gab es erstmal eine kleine Belohnung für die beste Entscheidung des Tages in der Kneipe gegenüber. Dort konnte man wunderbar vor der Bar in der Sonne sitzen und ein wenig entspannen.

Trotzdem hatten wir noch ein wenig Arbeit vor uns, also erledigten wir zuerst die lästigen Pflichten (Duschen, Wäsche waschen) und wollten dann raus um ein wenig einzukaufen und was zu essen. Dabei nutzen wir jede Gelegenheit, um etwas in der Sonne zu entspannen.

Brücke in Caldas des Reis

Vor der Herberge in Caldas des REis Mone entspannt in Caldas des Reis

Der Hunger siegte schließlich aber doch. Wir beschlossen in einer Tapasbar direkt neben der Herberge zu speisen. Und es wäre gelacht gewesen, wenn wir als Einzige auf diese Idee gekommen wären. Kurz vor uns hatten sich dort nämlich auch Sabrina und einige andere Pilger hingesetzt und so gesellten wir uns zu ihnen.

Caldas des Reis Tapasbar

Tapasplatte in Caldas des Reis

Nachdem wir gegessen hatten löste sich die Truppe langsam auf. Sabrina und Co. waren schon früh müde. Wir hatten aber noch eine Flasche Wein in der Tasche und wollten uns ein schönes Plätzchen suchen, um den Tag zu beschließen. Weit kamen wir nicht, denn vor der Herberge hatten sich schon ein paar andere Leute eingefunden. Es waren die drei Deutschen Männer, die bereits in Porto am Nebentisch Portwein schlürften, mit ein paar anderen Bekannten und so luden wir die Truppe erstmal dazu ein, mit uns noch ein wenig Wein zu trinken. Das Angebot ließen sich die Anderen natürlich nicht nehmen. Das Problem war lediglich, dass wir viel zu viele Leute für viel zu wenig Wein waren. Antonio ließ es sich nicht nehmen, noch etwas zu trinken aufzutreiben.

Er kam mit zwei Flaschen Beerenwein zurück, die er irgendwo aufgetrieben hatte, wo nur Einheimische einkaufen. Angeblich. Danach ist meine Erinnerung etwas verschwommen. Nur so viel:

Beerenwein vor der Herberge in Caldas des Reis Beerenwein Zunge in Caldas des Reis+

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