Mone 17. Oktober 2008
Heute habe ich zum ersten Mal ausgeschlafen, das war noetig nach dem gestrigen Abend. Bis kurz nach 12 sassen wir im Kaminzimmer am Feuer und tranken uns durch die spanischen Likoerchen, Hierbas, Vino dulce, Kaffeelikoer und Grappa gab es auch noch. Michael und Uwe, die zwei Weltenbummler denen ich in den letzten Tagen schon mehrfach ueber den Weg gelaufen bin, waren auch dort und wir fuehrten interessante Gespraeche ueber die Terminologie der gemeinen Bettwanze. Bin ich also nicht die einzige, die es erwischt hat! Und nun erklaert sich auch, warum hier soviele Herbergen geschlossen sind. Der Hospitalero erzaehlte uns, dass die Viecher im Sommer aus Frankreich von den Pilgern “importiert” wurden und dass der September und Oktober die Monate sein, in denen die Parasiten dann auch in Galicien ankommen. Ganz wunderpraechtig.
Nachdem ich also erst um 9 Uhr aufgestanden bin und mich an einigen Tassen Cafe con leche im angrenzenden Cafe laben konnte machte ich mich auf den Weg in Richtung Portomarin. Meine Baender schmerzten immer mal wieder, aber es ging doch recht gut. Heute ging es mal wieder auf und ab, durch zig kleine Doerfer und an noch viel mehr Bauernhoefen vorbei. Mein Bedarf an frischen Kuhfladen ist fuer die naechsten Jahre gedeckt. Unterwegs traf ich dann auf einen Bauern, der per Pferd unterwegs nach Portomarin war, zum Saufen wie er mir erzaehlte. Manuel, so hiess der nach Kuhstall wohlduftende Herr mittleren Alters, wollte dann auch gleich mal wissen ob ich verheiratet sei und als ich dies verneinte machte er mich doch ein sehr direktes Angebot. Aaargh, NEIN! Mir reichts jetzt, seit Villafranca bin ich tagsueber nur alleine unterwegs und so langsam habe ich keine Lust mehr darauf. Alle Fragen sind beantwortet und alle Entscheidungen getroffen, die letzten Kilometer nach Santiago wuerde ich gerne wieder mit jemandem zusammen gehen, vorallem damit ich endlich mal vom Heiratsmarkt hier verschwinde.
Kurz vor Portomarin stand nochmal ein steiler Abstieg an, den meine Knie grad eben noch so verkraften konnten. Man merkt im Uebrigen, dass die letzten 100km vor Santiago angbrochen sind, fuer den Fusspilger die mindestens zu bezwingende Strecke um die Compostela zu erlangen: die grosse Voelkerwanderung blieb zwar aus, aber kurz vor Portomarin wurde auf grossen Reklametafeln schon fuer die Herbergen im ueberdimensionalen Stil geworben. In so einer bin ich heute auch gelandet, 110 Betten in 25er Kabinen durch Vorhaenge getrennt, Reception, Kantinenflair in der Kueche und die Lichter werden um punkt 23 Uhr per Zeitschaltuhr abgeschaltet. Man koennte es auch eine sterile Pilger-Massen-Verwahranstalt nennen. Wenigstens ist es sehr sauber dort, so dass mich die unpersoenliche Atmosphaere kaum stoert.
Da ich heute recht spaet erst angekommen bin habe ich mich fuer ein einfaches Mikrowellen-Gericht als Abendessen entschieden. Koestlich ist etwas anderes, aber der Rotwein desinfiziert ja. Tja und wen treffe ich dann dort in dieser Massenherberge? Die beiden “Australier” aus dem Badischen, die ihren Spitznamen ihren Filzhueten zu verdanken haben. In Triacastela waren die beiden bereits in meiner Herberge und sassen abends noch bei Wein an unserem Tisch. So begruessten wir uns also sehr erfreut und verbrachten den gesamten Abend zusammen. Und siehe da, relativ schnell entschieden wir, ab morgen zu dritt bis nach Santiago zu laufen. Rein zufaellig sind beide auch noch Rettungssanitaeter, so dass ich mir um mein Bein nun keine Sorgen mehr machen brauche - wobei ich Gabis Reiki-Behandlung schon schwer vermisse.
Nun wirds Zeit fuers Bett…in ein paar Minuten werden hier die Lichter ausgeschaltet, ich hoffe ich finde mein Bett mit der Nr. 47 wieder!